Arbeits- und Gesundheitsschutz

Unterschiedliche Lebensphasen

Unterschiedliche Lebensphasen

lachender Teilnehmer steht an der Pinnwand, an der bereits einige Zettel geheftet sind Heike Werner Teilnehmer an der Station

Zielstellung: Die Teilnehmenden erkennen, dass zu unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Bedürfnisse vorhanden sind, die Rahmenbedingungen gesellschaftspolitisch zu bewerten, sich mit gesundheitlichen Auswirkungen auseinander zu setzen und die langfristigen Effekte zu betrachten. Die Beschreibungen sind jeweils männlich und weiblich, um bei der Auswertung auf evtl. Rollenstereotype hinweisen zu können. 

Methoden: In ein Schema, das die o.g. Aspekte berücksichtigt, sind Begriffe zu pinnen, die je nach Lebenssituation unterschiedlich sind. Die Lebensphasen sind

  • Single-Mann, am Anfang des Berufslebens
  • Single-Frau, am Anfang des Berufslebens
  • Mutter mit kleinen Kindern
  • Vater mit kleinen Kindern
  • Mann mit Pflegeaufgaben
  • Frau mit Pflegeaufgaben
  • Frau kurz vor der Rente
  • Mann kurz vor der Rente

Material: vorbereitete Blätter mit dem Schema, Pinnwände, Geschichten, Begriffskarten, zur Ausgabe beim Team die Broschüre „Die Zeiten ändern sich – Zeiten im Lebenslauf“

Stationsaufgabe: Exemplarisch sind 8 Lebenssituationen beschrieben, von denen du eine aussuchst. Hefte diese in die Mitte der Pinnwand. Suche dir dann aus den Karten die Begriffe heraus, die für diese Person relevant sind und hefte sie ebenfalls an die Pinnwand. Schreibe dann auf jeweils andersfarbige Karten, warum die Relevanz da ist (ist es schwierig oder einfach, hat es eine hohe Priorität) und welche Auswirkungen dieser Aspekt auf die Person hat.

Falls sich aus dem Gesamtbild Forderungen ableiten, schreibe diese auf das Flip-Chart.

 Darum geht's  

„Lebenslauforientierte Arbeitszeitgestaltung“ setzt nicht mehr allein auf ein für alle Lebenslagen uniforme Arbeitszeitgestaltung, sondern geht davon aus, dass die Arbeitszeitinteressen der Beschäftigten vor allem in den einzelnen Lebensphasen unterschiedlich ausgeprägt sind. Der Gestaltungsansatz „Arbeitszeiten im Lebensverlauf“ gründet sich auf die Erkenntnisse und Erfahrungen der ver.di-Arbeitszeitinitiative. Die unterschiedlichen Modelle bieten für verschiedene Lebenslagen und Lebensphasen konkrete Gestaltungsmöglichkeiten, wie:

  1. Auszeiten für Familie und Kinder bzw. Pflege von Angehörigen
  2. Auszeiten für Qualifizierung und Weiterbildung
  3. Sabbaticals
  4. Flexible Übergänge in die Rente

Richtig ist, dass sich die Lebensbedingungen aller Beschäftigten mit kürzeren Arbeitszeiten besser organisieren ließen, doch die Bereitschaft für eine generelle Arbeitszeitverkürzung in einen lang andauernden Arbeitskampf zu treten, ist nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Gleichzeitig ist der Problemdruck in bestimmten Bereichen und Lebensphasen weiter gestiegen.

Dadurch existieren Anknüpfungspunkte für eine Wiederbelebung der arbeitszeitpolitischen Debatte, wenn es uns gelingt, an die spezifischen Arbeitszeitinteressen der Menschen anzuknüpfen und deutlich zu machen, dass eine Veränderung der Arbeitszeit mit realen Verbesserungen ihrer Lebens- und Arbeitssituation einhergehen könnte.

Ein Instrument, das zur Organisation der Arbeitszeitmodelle genutzt werden kann, ist das Arbeitszeitkonto. Die gibt es als Kurzzeitkonten in Form von Gleitzeit bis hin zu Langzeitkonten und Zeitwertkonten. Langzeitkonten als Zeitwertkonten haben bislang relativ wenig Verbreitung gefunden, da entscheidende tarifvertragliche und gesetzliche Absicherungen von Zeitguthaben gefehlt haben, was sich vor allem seit dem „Flexigesetz“ (SGB IV) geändert hat:

Zeitwertguthaben müssen nun zwingend gegen Insolvenz gesichert werden. Auch für eine zweite wichtige Hürde, nämlich die Mitnahmemöglichkeit des „Ersparten“ bei Arbeitgeberwechsel, wurde eine pragmatische Lösungsmöglichkeit gefunden.

Unser Ziel ist es, durch verlässliche kollektive Rahmenregelung des Tarifvertrages Beschäftigten die Option einzuräumen, Zeitwertkonten bezogen auf ihre persönlichen Arbeitszeitbedürfnisse für eine differenzierte Arbeitszeitgestaltung im Lebensverlauf zu nutzen.

Entscheidend ist dabei, dass der/die Beschäftigte selbst entscheiden kann, ob und in welchem Umfang sie/er von den Regelungsoptionen Gebrauch machen will. Also selbst entscheidet, ob sie/er ein Zeitwertkonto einrichten und welche unterschiedlichen Ansprüche sie/er daraus ableiten will.