Arbeits- und Gesundheitsschutz

Pflegezeit

Pflegezeit

Broschürentitel mit Bildern, ein Mann schiebt einen andern Mann im Rollstuhl, alte und junge lachende Frauen, Hände gfp-kommunikation/Köln Pflegeverantwortung

Zielstellung: Ziel dieser Übung ist es, für die zeitlichen Anforderungen zu sensibilisieren, die aus der Übernahme von Sorgeverantwortung resultieren können. Die TN sollen reflektieren, dass Pflegeverantwortung nicht von einer Person alleine übernommen werden kann. Es bedarf vielmehr eines Netzwerkes verschiedener Unterstützer/innen sowie möglicherweise der Ergänzung durch professionelle Dienstleister. Darüber hinaus sollen die TN Unterstützungsleistungen auf betrieblicher Ebene als ein wesentliches und selbstverständliches Element des Netzwerks erkennen.

Mit der Frage nach den möglichen Unterschieden je nach Geschlecht der Pflegenden sollen der Teilnehmenden für diese Frage sensibilisiert werden. Auch Pflegepersonen sind nicht geschlechtslos.

Methoden: Die Teilnehmenden entscheiden sich für die Dauer einer zu übernehmenden Pflegesituation. Es ist u.U. sinnvoll, durch die Teamenden den Grad der Pflegebedürftigkeit vorzugeben.  Die Teilnehmenden zeichnen entlang eines Zeitstrahls den Alltag der zu pflegenden Person auf. Vermerken die Ereignisse auf dem Zeitstrahl, bei der die zu pflegende Person Hilfe braucht bzw. die Anlässe, wo etwas für die Person organisiert werden müsste. Sie kennzeichnen die Momente, wo die beschriebenen Pflegenotwendigkeiten, vermutlich mit den eigenen Arbeits- und Eigenzeiten kollidieren. Was ist schwer zu organisieren? Wer könnte dabei unterstützen?
Die Teilnehmenden sollen sich Gedanken machen, inwieweit das Geschlecht der pflegenden Person eine Rolle spielt.
Auf eine Pinnwand werden die (An-)Forderungen geschrieben, die privat, betrieblich und gesellschaftspolitisch aufgrund dieser Übung aufgestellt werden.

Material: Blätter, ggfs. mit Zeitstrahl, Pinnwände, Stifte

Überarbeitete Übung aus: Pflege und Beruf; Bildungsmaterialien für betriebliche Interessenvertretungen zur Verbesserung der Vereinbarkeitssituation von Beschäftigten mit Pflegeverantwortung, Herausgeber: DGB Bundesvorstand, Projekt „Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten!“

Darum geht´s:

Der demografische Wandel wird heute oft mit der Notwendigkeit in Verbindung gebracht, dass die Menschen länger arbeiten müssen, dass ein Fachkräftemangel zu befürchten ist und dass zunehmend das Potenzial der Frauenerwerbstätigkeit gesehen und genutzt werden muss. Das ist uns zu kurzsichtig gedacht. Denn mit der „alternden Gesellschaft“ ist ebenso die erfreuliche Entwicklung verbunden, dass die Menschen immer älter werden. Das aber bedeutet, dass in Zukunft die Versorgung und Pflege hochbetagter Menschen auf unsere Gesellschaft zukommen.[1]

Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen oder aber auch mit ihnen nahestehenden pflegebedürftigen Verwandten und Bekannten wollen Verantwortung übernehmen und sich kümmern. Gleichzeitig wollen sie aber weiter erwerbstätig bleiben.

Wenn Pflege und Beruf nicht in Einklang zu bringen sind, hat das nicht nur massive Auswirkungen auf die Pflegebedürftigen und die Pflegenden, sondern auch auf Wirtschaft und Gesellschaft.

Pflegearbeit kann nicht aus dem betrieblichen Kontext ausgeblendet werden.

Pflegearbeit muss in eine familiengerechte betriebliche Personal- und Sozialpolitik integriert werden. Hierbei ist zu beachten, dass die Pflege von Menschen nicht mit der Kindererziehung vergleichbar ist. Oft beginnt sie mit geringem Aufwand und ein wenig Unterstützung und entwickelt sich zu einer enormen Belastung. Auch die Formen der Pflege können sehr unterschiedlich sein. Hinzu kommt, dass der Umgang mit Krankheit, Behinderung und schließlich auch mit dem Sterben für viele Menschen schwierig und belastend ist.

Darüber hinaus können Pflegesituationen sehr komplex und störanfällig sein. Sie müssen immer wieder und oftmals sehr kurzfristig an die Bedürfnisse der Hilfebedürftigen angepasst werden. Gleichzeitig bedeutet diese Situation nicht nur eine Umstellung im Leben mit Partner/-in, Freunden, Nachbarn, sondern auch eine Abstimmung mit den professionellen Pflegediensten. 

[1] Broschüre „Das geht uns alle an - Die Vereinbarkeit von häuslicher Pflege und Erwerbsarbeit tarifpolitisch gestalten“ , ver.di 2009

Stationsbeschreibung  

Stationsaufgabe:

1. Entscheidet euch für eine der folgenden Situationen:

  • Übernahme der Pflege einer Person für einen Tag
  • Übernahme der Pflege einer Person für eine Woche
  • Übernahme der Pflege einer Person für ein Jahr

2. Zeichnet entlang eines Zeitstrahls den Alltag der zu pflegenden Person auf. Vermerkt bitte die Ereignisse auf dem Zeitstrahl, bei der die zu pflegende Person Hilfe durch euch braucht bzw. die Anlässe, wo ihr etwas für die Person organisieren müsstet.

3. Kennzeichnet die Momente, wo die Pflegenotwendigkeiten, die ihr seht, vermutlich mit euren eigenen Arbeits- und Eigenzeiten kollidieren.

  • Was ist schwer zu organisieren?
  • Wer könnte dabei unterstützen?

4. Welche Gemeinsamkeiten/Unterschiede gibt es, ob die pflegende Person ein Mann oder eine Frau ist?

5. Heftet euren Zeitstrahl auf die Pinnwand.

6. Schreibt auf die Pinnwand die (An-)Forderungen, die ihr privat, betrieblich und gesellschaftspolitisch aufgrund dieser Übung aufstellt.