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Glossar

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  • Chancengleichheit

    Chancengleichheit wird häufig gleichgesetzt mit Maßnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter. Echte Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern ist der Zustand, in dem die Gleichstellung bereits verwirklicht ist.

  • "Doing Gender"

    „Doing Gender" beschreibt den Prozess, wie Geschlecht gelebt, gedacht, inszeniert und konstruiert wird. Dies ist ein allgegenwärtiger Prozess im täglichen Miteinander, d. h. in der Interaktion zwischen den Individuen, in der Interaktion und Kommunikation innerhalb von Institutionen und Organisationen sowie in der Beziehung zwischen Individuen und gesellschaftlichen Institutionen und Strukturen.
    Geschlechterrollen von Frauen und Männern sind kulturell, gesellschaftlich und individuell differenziert ausgeprägt. Sie werden gestaltet, d. h. aber auch, dass sie beeinflussbar und veränderbar sind, z. B. durch das eigene aktive Tun oder die Veränderung von Rahmenbedingungen.

  • Frauenförderung

    Unter interner Frauenförderung verstehen wir eine bewusste und gezielte organisationsspezifische Personalplanung und -politik, die das Ziel hat, breitere Personalressourcen effizienter zu nutzen. Personalpolitische Maßnahmen sind: Personalwerbung, Personalauswahl, Personaleinstellung, Ausbildung, Weiterbildung, Beförderung, Personalentwicklung und die Schaffung der notwendigen organisatorischen Rahmenbedingungen. Externe Frauenförderung meint die Berücksichtigung frauenspezifischer Aspekte in der politischen Arbeit. Grundlage ist i. d. R. ein Defizitansatz, der besagt: Diskriminierung von Frauen bedeutet nicht nur die bewusste offene Benachteiligung von Frauen oder einzelner Frauen, sondern auch die strukturelle Benachteiligung. Diese führt dazu, dass Frauen geringere Chancen als Männer haben. Frauenförderung hat dann das Ziel, gleiche Rechte, Pflichten und Chancen für Frauen in allen Bereichen zu erzielen. Die Gleichstellung von Männern und Frauen soll zur Normalität werden.

    Frauenförderung auf der Grundlage des Gleichheitsansatzes

    Hier stehen die ungleich verteilten Chancen der sozialen und wirtschaftlichen Partizipation von Frauen im Vordergrund der Betrachtung. Eine Politik der Antidiskriminierung in allen sozialen und wirtschaftlichen Bereichen ist die Lösung (Defizitansatz). Frauenförderung auf der Grundlage differenztheoretischer Ansätze stellt die Besonderheiten von Frauen und die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in den Mittelpunkt der Betrachtung.

  • Frauenpolitik

    Frauenpolitik ist die institutionalisierte Politik von und für Frauen in Politik, Verbänden, Behörden und Betrieben durch Quoten, Frauenausschüsse, Frauenbeauftragte, Gleichstellungsbeauftragte und Gleichstellungsstellen, Frauendezernentinnen und Frauenministerien. Neben den integrativen Frauenförderansätzen haben sich autonome Frauenförderansätze entwickelt. Frauenspezifische Projekte, Fraueninitiativen und Frauenorganisationen bildeten sich heraus und wurden (teilweise) finanziert. Ziel ist die Stärkung von Frauen und die Entwicklung von Frauenmacht und Gegenmächten.

  • Gemeinschaftsaufgabe Geschlechterdemokratie

    Gemeinschaftsaufgabe Geschlechterdemokratie ist die politische und organisationsinterne geschlechterpolitische Umsetzungsstrategie der Heinrich-Böll-Stiftung.

  • Gender

    Wir benutzen den englischen Begriff „Gender", d. h. soziales Geschlecht in Abgrenzung zum biologischen Geschlecht. Der englische Begriff verdeutlicht besser die gesellschaftliche Zuschreibung von Rollen auf die Geschlechter.

  • Genderanalysen

    Bei der Implementierung von geschlechterpolitischen Strategien in Organisationen geht es insbesondere zu Beginn darum, eine Übersicht über die geschlechterpolitische Situation zu erlangen. Genderanalysen beziehen sich auf die Organisation, die fachlichen Inhalte und den Arbeitsplatz. Untersucht wird die institutionelle Geschichte einer Organisation, ihre Werte und Normen, ihre Kultur, ihre personelle Zusammensetzung, ihre Führungsstrukturen und die Bewertungskriterien unter genderspezifischen Aspekten. Darüber hinaus wird analysiert, inwieweit in der fachlichen Arbeit der Organisation Genderprinzipien angewendet werden. Genderspezifische Arbeitsplatzanalysen und genderspezifische Analysen der Fachinhalte erheben den Bestand, so dass aufgrund einer fundierten Analyse adäquate Maßnahmen zur Chancengleichheit und Herstellung von Geschlechterdemokratie entwickelt werden können.

  • Genderbudget

    Organisatorisches Handeln manifestiert sich immer in monetären Präferenzen, die sich in einem Haushalts- oder Finanzplan widerspiegeln. Da politisches Handeln nie geschlechtsneutral wirkt, weist auch jeder Haushaltsplan einen „gender-bias" ( geschlechtsbezogener Verzerrungseffekt) auf, zu dessen Beschreibung die Gender-Budget-Analyse entwickelt wurde. Ihr stehen folgende Instrumente zur Verfügung: geschlechtsspezifische Nutzenanalyse, geschlechtsdifferenzierte Analyse der Ausgabenstruktur, geschlechtsspezifische Analyse von Besteuerungsmaßnahmen sowie die Analyse des Einflusses der Zeitbudgets von Männern und Frauen auf das Volkseinkommen.

  • Genderchecklisten

    Genderchecklisten sind Fragekataloge, die dazu dienen, die Anwendung von Gender als Analysekategorie zu erleichtern. Bei der Planung, Durchführung und Auswertung von Programmen und Maßnahmen sollen diese angewendet werden, um die Auswirkungen auf Frauen und Männer zu ermitteln.

  • Genderkompetenz

    Genderkompetenz meint das Wissen um die bestehenden geschlechtsspezifischen und geschlechtshierarchischen Bedingungen der Gesellschaft, deren Strukturen und Institutionen. Genderkompetenz meint darüber hinaus das Wissen, wie sich Geschlechterfragen in dem jeweils eigenen Handlungsfeld auf die Lebenswirklichkeiten von Männern und Frauen - in ihrer jeweiligen Differenziertheit - auswirken und wie dies fachspezifisch am Arbeitsplatz oder im politischen Handlungsfeld umgesetzt werden kann.

  • Gender Mainstreaming

    Gender Mainstreaming ist die europäische Strategie zur Umsetzung von Geschlechterdemokratie bzw. Geschlechtergerechtigkeit in der Politik. Gender Mainstreaming bedeutet das systematische Einbeziehen der Dimension „Chancengleichheit" in alle politischen Konzepte und Maßnahmen der europäischen Gemeinschaft. Geschlecht ist dabei eine wesentliche Kategorie zur Lösung sozialer, politischer und gesellschaftlicher Probleme. „Systematische Einbeziehung der jeweiligen Situation, der Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Männern in allen Politikfeldern, wobei mit Blick auf die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern sämtliche allgemeinen politischen Konzepte und Maßnahmen an diesem Ziel ausgerichtet werden und bereits in der Planungsphase wie auch bei der Durchführung, Begleitung und Bewertung der betreffenden Maßnahmen deren Auswirkungen auf Frauen und Männer berücksichtigt werden.“(Mitteilung der EU-Kommission KOM (96), 67, vom 21.02.96) Gender Mainstreaming ist damit die „(Re)organisation, Verbesserung, Entwicklung und Evaluierung grundsatzpolitischer Prozesse, mit dem Ziel, eine geschlechterbezogene Sichtweise in alle politischen Konzepte auf allen Ebenen und Phasen durch alle an politischen Entscheidungsprozessen Beteiligten einzubringen“ (Definition einer im Auftrag des Europarates eingesetzte ExpertInnenkommission von 1998)

  • Gendersensibilisierung

    Gendersensibilisierung ist das Bewusstmachen von kulturell geprägten Geschlechterrollenbildern und Geschlechterrollen sowie das Bewusstmachen von unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten von Frauen und Männern.

  • Genderspezifische Unterschiede

    Genderspezifische Unterschiede bezeichnen die sozialen und kulturellen Unterschiede zwischen Frauen und Männern sowie die unterschiedlichen Bewertungen von Einflussbereichen und Tätigkeiten von Frauen und Männern. Genderspezifische Unterschiede sind gesellschafts- und kulturabhängig und unterliegen einem zeitlichen Wandel.

  • Genderspezifische Ungleichheiten

    Genderspezifische Ungleichheiten sind die Ungleichheiten oder Disparitäten zwischen Frauen und Männern in Hinblick auf ihre Teilhabe an und ihren Zugang zu Ressourcen, Rechten, Vergütungen oder Vergünstigungen in jedem beliebigen Bereich.

  • Gendertrainings

    Gendertrainings sind zum einen Sensibilisierungstrainings zur Wahrnehmung von unterschiedlichen Geschlechterrollen und Geschlechterrollenbildern und zum anderen Fortbildungsmaßnahmen zur Umsetzung und Anwendung von geschlechterpolitischen Strategien und deren Instrumenten in Organisationen (Betrieben, Verwaltungen, Verbände usw.).

  • Geschlechterdialog

    Geschlechterdialog meint die Fähigkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer Organisation, unterschiedliche Genderperspektiven in die fachliche Arbeit konstruktiv einzubringen und darüber produktiv zu kommunizieren.

  • Geschlechterdemokratie

    Geschlechterdemokratie erklärt die Herstellung demokratischer Verhältnisse zwischen Frauen und Männern zum politischen Ziel. Männer und Frauen können sich entsprechend ihrer persönlichen Fähigkeiten und Interessen entwickeln, ohne durch geschlechtsspezifische Zuweisungen eingeschränkt zu werden. Geschlechterdemokratie besagt, dass eine demokratische Ausgestaltung einer Gesellschaft erst dann erreicht ist, wenn Frauen und Männer - in all ihrer Unterschiedlichkeit - auf allen Ebenen, d. h. gesellschaftlich, politisch, sozial und kulturell gleichberechtigt partizipieren und entscheiden können.

  • Geschlechterordnung

    Geschlechterordnung („Kultur der Zweigeschlechtlichkeit") ist das System wirtschaftlicher, sozialer, rechtlicher und politischer Strukturen, das dazu beiträgt, bestimmte Geschlechterrollen zu verfestigen.

  • Geschlechterpolitiken

    Geschlechterpolitiken beschreiben die unterschiedlichen Politiken, die die verschiedenen Geschlechterperspektiven in alle politischen und betrieblichen Handlungs- und Aktionsfelder einbeziehen.

  • Geschlechtervertrag

    Geschlechtervertrag ist ein implizites und explizites Regelwerk über die Geschlechterordnung in der Gesellschaft.

  • Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung

    Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung meint die Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern im privaten und öffentlichen Bereich.

  • Männerpolitik

    Männerpolitik ist die wissenschaftliche und politische Auseinandersetzung mit Männerrollen und Männerrollenbildern.

  • Mittelbare Diskriminierung (Indirekte Diskriminierung)

    Mittelbare Diskriminierung (Indirekte Diskriminierung) ist die Form der Diskriminierung durch Politiken, Verfahren oder Kriterien, die zwar niemanden aufgrund ihres oder seines Geschlechts offen diskriminieren, aber wegen genderspezifischer Ungleichheiten oder versteckter Hindernisse unterschiedliche Auswirkungen auf Frauen und Männer haben.